Frauen in Licht und Schatten von Gesellschaft, Politik und Kirche
Die Evangelischen Frauen in Anhalt organisierten am 27.06.2026 einen ganz besonderen, sommerlich-festlichen Abend für Frauen in Anhalt im Gemeindesaal der Kanzler von Pfau´schen Stiftung in Bernburg: Ein Frauenmahl mit Musik, Menü und Tischreden.
Karoline Simmering, leitende Pfarrerin der Ev. Frauen in Anhalt, stimmte uns auf den Abend ein mit einem Einblick in das Leben der Katharina von Bora, der Lutherin. Ihr Mut und Selbstbewusstsein in der Welt der frühen Reformationszeit, in der sie sich eine eigene Bedeutung an der Seite Luthers mit ihrem im Glauben an Jesus Christus begründeten Denken und Handeln erarbeitete, macht sie bis heute zu einem Vorbild – und fasziniert uns.
Die Pianistin Tanja Litwin aus Köthen und die Cellistin Hyun-Jung Kretschmer aus Leipzig umrahmten den Abend sehr passend mit ihrer wunderbaren Musik, die von Bach über Chopin und Schostako-witsch bis hin zu Fietz reichte.
Berit Kuhn, ehemalige Schulleiterin der Ev. Grundschule Bernburg, hielt die erste Tischrede und stellte uns die Biologin und Tierärztin Maria Helene Franoise Izabel Gräfin von Maltzahn erfrischend herzlich vor. Sie rettete viele Jüdinnen und Juden in der NS-Zeit vor Verfolgung und Tod. Frau Kuhns Buchtipp: die Biografie der kühnen Gräfin von Maltzahn „Schlage die Trommel und fürchte dich nicht“ möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.
Neben dem Festschmaus für unsere Ohren, wurde uns ein sehr schmackhaftes Menü von der Crêpe-rie Lorette aus Köthen geboten. Fünf Jugendliche aus Bernburg und Gröna verwöhnten uns Teilneh-merinnen mit ihrem hervorragenden Tisch-Service.
Die zweite Tischrede unserer Bürgermeisterin Dr. Silvia Ristow erwarteten wir mit Spannung. Ganz die Politikerin brachte sie uns auch das Leben der Politikerin Rita Süßmuth näher. Sie prägte die Bun-desrepublik als streitbare Vorkämpferin für eine moderne Gesellschaft. Als Quereinsteigerin ohne Hausmacht in der CDU setzte sie sich mutig für Gleichberechtigung, eine fortschrittliche Familienpoli-tik und gegen die Stigmatisierung von AIDS-Kranken ein.
Neben dem Menü fand sich immer wieder Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, oder einfach die Gedanken schweifen zu lassen. In der dritten Tischrede bot uns die Landespfarrerin für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien Peggy Rotter einen ganz persönlichen Einblick in das Leben von Julie von Cohn-Oppenheim, indem sie (nicht zum ersten Mal) in die Rolle der Dessauer Wohltäte-rin schlüpfte. Aus dem Erbe ihres Vaters, dem Bankier Moritz von Cohn, gründete sie zwei Stiftungen. Ihr Wirken prägte besonders das soziale und kulturelle Leben der Stadt Dessau, wo sie am 30. April 1901 zur Ehrenbürgerin ernannt wurde. Die uns vorgestellten Frauen lebten und wirkten in Licht und Schatten von Gesellschaft, Politik und Kirche…
Bevor der Abend mit schöner Musik und dem Abendsegen zu Ende ging, dankte Pfarrerin Karoline Simmering allen Beteiligten mit Blumen und Geschenken unter großem Applaus des Publikums.
Trotz der enorm hohen Temperaturen an diesem 27. Juni 2026 erlebten wir Frauen einen außerge-wöhnlichen Abend, der lange nachwirken wird.
Claudia Schöne,
Evang. Frauen in Anhalt






