Kräuterwanderung für Trauernde

Kräuterwanderung für Trauernde

Heilpflanzen als Wegbegleiter

Am 1. Juli fand eine besondere Kräuterwanderung für trauernde Menschen statt. Unter der Fachkundigen Leitung von Frau Pabst machten sich die Teilnehmenden gemeinsam auf den Weg, um die heimische Pflanzenwelt kennenzulernen und deren traditionelle Heilwirkungen zu entdecken. Dabei standen nicht nur die Kräuter selbst im Mittelpunkt, sondern auch die wohltuende Erfahrung, gemeinsam Zeit in der Natur zu verbringen.

Die erste Pflanze war das Johanniskraut, das als „Sonnenpflanze“ bekannt ist. Seit Jahrhunderten wird es wegen seiner stimmungsaufhellenden und stärkenden Eigenschaften geschätzt. Gerade in Zeiten der Trauer steht es sinnbildlich für Licht, Hoffnung und Zuversicht.

Anschließend wurde der Beifuß vorgestellt, der auch als „Mutter aller Heilpflanzen“ bezeichnet wird. Er unterstützt die Verdauung, wirkt krampflösend und eignet sich als wohltuendes Fußbad. Früher wurde Beifuß zur Sommersonnenwende als Gürtel getragen und anschließend ins Sonnenwendfeuer geworfen – als Symbol dafür, alles Belastende loszulassen und Gesundheit für das kommende Jahr zu erbitten. Auch das Tragen von Beifuß in den Schuhen galt als alter Schutz- und Kraftbrauch.

Ein weiteres Thema war der Rotklee. Seine Blüten enthalten wertvolle Isoflavone, pflanzliche Stoffe mit hormonähnlicher Wirkung, die besonders Frauen während der Wechseljahre unterstützen können.

Großes Interesse weckte auch die Wilde Möhre mit ihren filigranen Doldenblüten. Die kleine dunkle Blüte in ihrer Mitte dient als Anziehungspunkt für Insekten. Die weißen Blüten schmecken leicht nach Möhre und können als essbare Dekoration über Salate gestreut werden.

Zum Abschluss lernten die Teilnehmenden den Odermennig kennen. Die Heilpflanze wird traditionell zur Unterstützung von Leber und Galle eingesetzt. Aufgrund ihrer zusammenziehenden Wirkung wird sie auch zur Pflege kleiner Wunden sowie als Gurgeltee bei Beschwerden im Mund- und Rachenraum verwendet.

Zum Abschluss der Wanderung banden alle ihre gesammelten Heilpflanzen zu kleinen Kräuterbüscheln zusammen. Diese werden nun getrocknet und später verräuchert. Das gemeinsame Räuchern soll symbolisch helfen, Belastendes loszulassen, Erinnerungen einen guten Platz zu geben und mit neuer Kraft nach vorne zu blicken.

Die Kräuterwanderung zeigte eindrucksvoll, wie die Natur Trost schenken, Gemeinschaft fördern und neue Zuversicht wachsen lassen kann.

Katrin Gisa, Koordinatorin Ambulanter Hospizdienst